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Krüger
lässt lachen und grübeln
81-Jähriger begeistert Publikum mit Anekdoten
– aber er
will nicht nur einfach unterhalten

Hardy
Krüger musste nach der Lesung viele Autogramme geben.
Foto:
Seidel
Sarstedt (sei) Hardy
Krüger, Schauspieler, Weltenbummler und Schriftsteller, begeisterte das
Publikum im vollbesetzten Forum der Albert-Schweitzer-Schule.
Was als Lesung angekündigt wurde, wurde zu
einer Inszenierung von vier Kurzgeschichten aus dem Leben des Weltstars.
Die Stimmung der Besucher wechselte von herzhaftem Lachen bis hin zu
atemloser Stille und Betroffenheit.
Eine Stunde vor Beginn der Lesung steht Hardy Krüger auf der Bühne und dirigiert
den Sarstedter Technikprofi Detlef Reichel (Media Sound Light). Dieser
jongliert auf der Leiter herum und richtet die Scheinwerfer akribisch
nach den Wünschen des prominenten Gastes aus. Nachdem der Weltstar mit
der Beleuchtung zufrieden ist, widmet er sich der Toneinstellung. Krüger
legt größten Wert auf Präzision. „Erst wenn ein Künstler sich auf
der Bühne wohlfühlt, kann er
das rüberbringen, was das Publikum erwartet“ weiß Detlef Reichel.
Pünktlich um 19 Uhr kündigt Ronald Dahme von der Kulturgemeinschaft den Künstler
an. Bevor Dahme eine Kurzbiographie Krügers verliest, lobt er, dass es
Harald Petri gelungen sei, den Weltstar überhaupt nach Sarstedt zu holen.
Das gibt donnerndem Applaus für den GHG-Vorsitzenden.
Nun betritt Hardy Krüger die mit Blumen und Kerzen dekorierte Bühne. Seine
Augen blitzen und haben diesen typischen, schelmischen Ausdruck. „Herzlicher
geht es nun wirklich nicht“ freut er sich
über den Applaus, der ihm auf dem Weg zur Bühne entgegen brandet. „Ich bin gern gekommen. Das hat
nichts mit Hannover zu tun, sondern mit dem Spaß, den ich am Vorlesen
habe. Ich war der erste deutsche Schauspieler, der Böll gelesen hat. Und
nun lese ich aus meinen eigenen Büchern.“ Verschmitzt grinst er:
„Wissen Sie, wie Sie
von hier oben aussehen? – Wie Kinder vor der Bescherung!“
Die erste Geschichte, die er vorliest, nennt er „Sprachen-Irrungen“.
Spritzig und witzig berichtet sie von den
Dreharbeiten zum französischen Antikriegsfilm „Taxi nach Tobruk“.
Krüger brachte mit seinen nicht vorhandenen Französisch- Kenntnissen den
Regisseur Denys de la Patellière zur
Verzweiflung. Auch die Unterstützung von Charles Aznavour und Lino Ventura
konnte daran nur wenig ändern. Die Besucher amüsieren sich köstlich über
die humoristische Darstellung der Geschehnisse.
„In einem anderen Land“ schildert Hardy Krüger, wie er und Max Schmeling an einem deutsch-deutschen
Grenzübergang von einem Volkspolizisten wegen Geschwindigkeitsüberschreitung
verhaftet wurden. Währenddessen wartete Trabrennfahrer Hänschen Frömming nichts ahnend und ungeduldig im Auto. Krüger
imitiert Schmeling und kopiert den sächselnden DDR-Polizisten so originell,
dass die Besucher das Gefühl haben, sie säßen selber auf der Arme-Sünder-Bank
in der Baracke. Die Begebenheit sorgt für schallendes Gelächter.
Ein erschütterndes Ereignis in seinem Leben beschreibt Hardy Krüger in „Abschied“.
Seine erste große Liebe „Tina“ kam
Weihnachten 1943 bei einem Bombenangriff ums Leben. Auch diese Situation
bringt er den Zuhörern derart plastisch nahe, dass im Publikum absolute
Stille und Ergriffenheit herrscht.
Krüger legt das Buch aus der Hand, schaut ernst von der Bühne herunter und
richtet sich leise, aber eindringlich an die Besucher: „Es ist mir
klar geworden, dass Tinas Tod seit
dem 30. Januar 1933 vorbestimmt war. Das war der Tag, an dem deutsche Menschen
nicht zur Wahl gegangen sind. Meine Eltern und Großeltern gehörten dazu.“ Tina sei nur eine von 60
bis 80 Millionen Toten in aller Welt gewesen, in einem Krieg, der durch
Hitler und seine Verbrecherbande verursacht worden sei. Am Ende habe das
Land in Trümmern gelegen und es sei geteilt geworden. Er könne nicht
verstehen, wie Menschen sich heute den Neonazis zuwenden könnten und sie
in Parlamente wählten. Die meisten Abgeordneten imBundestag
täten empört, würden aber nichts unternehmen. Eindringlich bittet der
Weltstar: „Helfen Sie.
Sprechen Sie mit Ihren Freunden oder Kollegen und gehen Sie zur Wahl. Jede
Stimme, die nicht abgegeben wird, nutzt den Nazis.“
Am Schluss der zweistündigen Lesung will der Applaus nicht enden. Der 81-jährige
Weltstar strahlt und verspricht Augen zwinkernd: „Wenn Sie so
weitermachen, kann es passieren, dass ich
wiederkomme.“
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