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Kulturgemeinschaft Sarstedt e.V.
Haus am Junkernhof - Museum und Veranstaltungszentrum

 

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Sarstedter Anzeiger vom 28. November 2009

 

 

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Sarstedter Anzeiger vom 9. November 2009

 Krüger lässt lachen und grübeln

81-Jähriger begeistert Publikum mit Anekdoten – aber er will nicht nur einfach unterhalten

 

Hardy Krüger musste nach der Lesung viele Autogramme geben.             Foto: Seidel

 

Sarstedt (sei)    Hardy Krüger, Schauspieler, Weltenbummler und Schriftsteller, begeisterte das Publikum im vollbesetzten Forum der Albert-Schweitzer-Schule.

Was als Lesung angekündigt wurde, wurde zu einer Inszenierung von vier Kurzgeschichten aus dem Leben des Weltstars. Die Stimmung der Besucher wechselte von herzhaftem Lachen bis hin zu atemloser Stille und Betroffenheit. 

Eine Stunde vor Beginn der Lesung steht Hardy Krüger auf der Bühne und dirigiert den Sarstedter Technikprofi Detlef Reichel (Media Sound Light). Dieser jongliert auf der Leiter herum und richtet die Scheinwerfer akribisch nach den Wünschen des prominenten Gastes aus. Nachdem der Weltstar mit der Beleuchtung zufrieden ist, widmet er sich der Toneinstellung. Krüger legt größten Wert auf Präzision.
„Erst wenn ein Künstler sich auf der Bühne wohlfühlt, kann er das rüberbringen, was das Publikum erwartet“ weiß Detlef Reichel.

Pünktlich um 19 Uhr kündigt Ronald Dahme von der Kulturgemeinschaft den Künstler an. Bevor Dahme eine Kurzbiographie Krügers verliest, lobt er, dass es Harald Petri gelungen sei, den Weltstar überhaupt nach Sarstedt zu holen. Das gibt donnerndem Applaus für den GHG-Vorsitzenden.

Nun betritt Hardy Krüger die mit Blumen und Kerzen dekorierte Bühne. Seine Augen blitzen und haben diesen typischen, schelmischen Ausdruck.
„Herzlicher geht es nun wirklich nicht“ freut er sich über den Applaus, der ihm auf dem Weg zur Bühne entgegen brandet. „Ich bin gern gekommen. Das hat nichts mit Hannover zu tun, sondern mit dem Spaß, den ich am Vorlesen habe. Ich war der erste deutsche Schauspieler, der Böll gelesen hat. Und nun lese ich aus meinen eigenen Büchern.“ Verschmitzt grinst er: „Wissen Sie, wie Sie von hier oben aussehen? – Wie Kinder vor der Bescherung!

Die erste Geschichte, die er vorliest, nennt er
„Sprachen-Irrungen“. Spritzig und witzig berichtet sie von den Dreharbeiten zum französischen Antikriegsfilm „Taxi nach Tobruk“. Krüger brachte mit seinen nicht vorhandenen Französisch- Kenntnissen den Regisseur Denys de la Patellière zur Verzweiflung. Auch die Unterstützung von Charles Aznavour und Lino Ventura konnte daran nur wenig ändern. Die Besucher amüsieren sich köstlich über die humoristische Darstellung der Geschehnisse.

„In einem anderen Land“ schildert Hardy Krüger, wie er und Max Schmeling an einem deutsch-deutschen Grenzübergang von einem Volkspolizisten wegen Geschwindigkeits­überschreitung verhaftet wurden. Währenddessen wartete Trabrennfahrer Hänschen Frömming nichts ahnend und ungeduldig im Auto. Krüger imitiert Schmeling und kopiert den sächselnden DDR-Polizisten so originell, dass die Besucher das Gefühl haben, sie säßen selber auf der Arme-Sünder-Bank in der Baracke. Die Begebenheit sorgt für schallendes Gelächter.

Ein erschütterndes Ereignis in seinem Leben beschreibt Hardy Krüger in
„Abschied“. Seine erste große Liebe „Tina“ kam Weihnachten 1943 bei einem Bombenangriff ums Leben. Auch diese Situation bringt er den Zuhörern derart plastisch nahe, dass im Publikum absolute Stille und Ergriffenheit herrscht.

Krüger legt das Buch aus der Hand, schaut ernst von der Bühne herunter und richtet sich leise, aber eindringlich an die Besucher:
„Es ist mir klar geworden, dass Tinas Tod seit dem 30. Januar 1933 vorbestimmt war. Das war der Tag, an dem deutsche Menschen nicht zur Wahl gegangen sind. Meine Eltern und Großeltern gehörten dazu. Tina sei nur eine von 60 bis 80 Millionen Toten in aller Welt gewesen, in einem Krieg, der durch Hitler und seine Verbrecherbande verursacht worden sei. Am Ende habe das Land in Trümmern gelegen und es sei geteilt geworden. Er könne nicht verstehen, wie Menschen sich heute den Neonazis zuwenden könnten und sie in Parlamente wählten. Die meisten Abgeordneten imBundestag täten empört, würden aber nichts unternehmen. Eindringlich bittet der Weltstar: „Helfen Sie. Sprechen Sie mit Ihren Freunden oder Kollegen und gehen Sie zur Wahl. Jede Stimme, die nicht abgegeben wird, nutzt den Nazis.


Am Schluss der zweistündigen Lesung will der Applaus nicht enden. Der 81-jährige Weltstar strahlt und verspricht Augen zwinkernd:
„Wenn Sie so weitermachen, kann es passieren, dass ich wiederkomme.

 


 

 

 

 

 

 

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